Post von Georg

Wir haben auch hier eine Weihnachtsfeier gehabt

0 Kommentare 26. Dezember 1915

Untffz Schmiele
Flieger-Abt. 65
15 Res Korps, im Westen

Frau G. Schmiele
in Halver i/Westfalen
Kreis Altena

geschr. d. 26.12.15

Meine liebe Ida!

Jetzt komme ich dazu, Dir den versprochenen Brief zu schreiben. Es hat sich zwar wieder um einen Tag verspätet, aber deshalb wirst Du mir wohl nicht böse sein. Ich werde Dir jetzt wieder regelmäßiger schreiben; damit Du wenigstens keine Ursache hast Dein Paketdepot zu schließen; aber augenblicklich mußt Du mal 2 Wochen aufhören, damit ich erst wieder Luft bekomme. Erst heute bekam ich Deine beiden Paketchen mit Butter und Wurst No. 7 u 8. auch das Weihnachtspaket habe ich erhalten.

Ich danke Dir liebe Ida für alle Deine Liebe, die Du mir in den 17 Kriegsmonaten erwiesen hast. Sollte ich wiederkommen, dann wird es noch einmal so schön werden. Ich freue mich wirklich auf diese Stunde. denn solange wir zusammen sind haben wir doch schon so manches mitgemacht. Wenn unsere beiden Kindchen noch lebten, dann hätten wir jetzt 3 an Zahl unter dem Christbaum. Luise würde schon 3 Jahre alt. Ich habe mich sehr gefreut über das Bild; die kleine Liese hat sich ja großartig gemacht. Na bei so einer guten Mutter ist das wohl auch zu erwarten. die soviel für ihren Mann übrig hat wird das wohl auch für ihre Tochter übrig haben.

Nur hat es mir leid gethan, daß ich Weihnachten nicht unter Euch sein konnte; wir haben auch hier eine Weihnachtsfeier gehabt. Es war ganz schön, die Feier wurde im größten Saale von Schlettstadt gefeiert. Wir hatten alles selbst dekoriert, über tausend kleine Glühlämpchen waren im Saal angebracht. Wir Unteroffiziere hatten ein Doppelquartett gegründet und ein ehemaliger Hofopernsänger trug ein paar Stücke vor. Unser Feldwebel hatte eine Turnabteilung aufgestellt. Kurz es war ungefähr wie am Kaisergeburtstag. Als Gast war bei uns der Stabsoffizier der Flieger und der Kommandeur der dreißig Res. Divisision v. Eberhard. Die Feier nahm einen schönen Verlauf. während derselben bekamen der Feldwebel Schemm und noch einige, daß eiserne Kreuz von dem General an die Brust geheftet. Der General sprach nachher noch verschiedene Mal mit unserem Feldwebel und schüttelte ihm die Hand zum Abschied. Jetzt ist nun alles wieder vorbei.

Eine militärische Weihnachtsfeier ist ja nicht so wie im Familienkreis. Aber trotzdem ist es eine Familienfeier. Du weißt ja was fehlt. Hoffentlich dürfen wir nächstes Weihnachten wieder bei unseren Lieben sein. Nun liebe Ida hoffentlich seid ihr noch alle gesund. Ich bedanke mich auch beim Onkel für die schönen Äpfel, Wieviel sind denn eher verfault bevor sie aus dem Keller gekommen sind (Tantes schwache Seite)? Ich habe hier 1 Paar Lederhalbschuh und 1 Flasche Magenbittern bekommen. Die Lederschuh werde ich Dir schicken, die kannst Du ja mal vorläufig aufheben. Sonst kannst Du sie Dir passend machen lassen. Den Bittern will ich mal behalten. Du weißt ja wie es mir manchmal im Magen zumute ist. Dann schicke ich Dir diese Woche ein kleines Paketchen. Ich habe seid dem Urlaub fast meine ganze Zigarren die ich in dieser Zeit bekommen habe, aufbewahrt. Die will ich mit schicken. Dann hat Onkel wenigstens was zu tun. ich rauche sie doch nicht. Was machen denn die 3 Waggon Bauklammern?

Nun l. Ida will ich für dieses Mal schließen. Was Tante mir da schreibt, von warten und nichts schicken, daß glaubt sie ja selbst nicht. So olle Tanten müssen ja och mal wat sagen. Aber ich verzeihe euch alle. Nun leb wohl Gott befohlen. Viele herzl. Grüße und Küße auch an das kleine Fräulein.

Dein Dich l. Mann
Herzl. Gruß an Onkel u Tante
sowie Eickers

Schreib doch mal Albert Vollmers Adresse.

Was ich da in Deiner Karte (7) gelesen hab, laß mal vorläufig ruhen; Du weißt ja warum. Natürlich ist das alles Unsinn. später mehr davon.

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100 Jahre danach

Die Feldpostbriefe von Georg Schmiele erscheinen hier jeweils auf den Tag 100 Jahre, nachdem der gebürtige Berliner sie geschrieben hat. Was hat er im Ersten Weltkrieg erlebt und wie hat er den Krieg wahrgenommen? Veröffentlicht werden die Briefe von seinem Urenkel Carsten Fischer und Familienangehörigen.

Zur Person

Georg Schmiele

Ich bin Georg Schmiele, geboren 1888 in Berlin. Am 2. August 1914 wurde ich zum Kriegsdienst eingezogen. Wie es mir an der Front im Westen ergeht, schreibe ich meiner Frau Ida regelmäßig in meinen Briefen. Wir wohnen in Halver in Westfalen. Hier beginnen meine Feldpostbriefe und hier ist mein Lebenslauf.

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