Post von Georg

Wir durften aber früher nichts davon schreiben

0 Kommentare 09. November 1915

[Schlettstadt] geschr. d. 9.11.15

M. l. Ida!

Ich habe gerade Deine Karten und Briefe erhalten auch die Butter. Ich habe mich sehr gefreut. Hier es überhaupt kein Fett zu bekommen noch nicht mal Margarine. Wenn wir uns was braten nehmen wir fettes Fleisch vom Mittagessen. Fleisch bekommen wir ja noch immer. Sonst geht es mir noch gut. Jetzt fahren wieder welche in Urlaub, die noch nicht waren. Auch der Feldwebel fährt. L. Ida Du scheinst Dir ja wieder große Sorge zu machen. Nur nicht so ängstlich; Wir liegen immer noch auf dem alten Fleck. 20 Minuten von Schlettstadt am Güterbahnhof. Wir durften aber früher nichts davon schreiben. Das ist ja auch nicht so schlimm wenn Du weißt daß es mir noch gutgeht, so bist Du ja zufrieden. Schreibe Du tüchtig, wenn Du aber denkst; Du könntest mir bloß diese Woche 1 paar Karten schreiben, dann bist du gewaltig im Irrtum. Briefe schreiben ist Dienst bei Dir, und Dienst geht vor alles. Auch vor einen ollen Unterrock. Ich werde Dir mal nächstens eine Dienstvorschrift schicken. für Kriegsfrauen. und von wegen der eisernen Bettstelle und dem Kuß, den Du Dir doch bloß gestohlen hast, während wir uns noch mal später unterhalten. und wenn mir die kleine Elisabeth eben naß macht, dann ist daß eine schlechte Erziehung. Ich sehe schon wenn ich wieder komme ist sie ganz verdorben. Nun l. Ida muß ich schließen. Nächstens mehr. Grüße alle Bekannte von mir. ich kann nicht jeden schreiben. Hat Onkel noch immer den Husten?
Nun seid alle herzlich gegrüßt besonders Du und unserer kleiner Schatz.

Grüße auch Emma und Lina von mir
Viele Grüße und Küße Dein Georg

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100 Jahre danach

Die Feldpostbriefe von Georg Schmiele erscheinen hier jeweils auf den Tag 100 Jahre, nachdem der gebürtige Berliner sie geschrieben hat. Was hat er im Ersten Weltkrieg erlebt und wie hat er den Krieg wahrgenommen? Veröffentlicht werden die Briefe von seinem Urenkel Carsten Fischer und Familienangehörigen.

Zur Person

Georg Schmiele

Ich bin Georg Schmiele, geboren 1888 in Berlin. Am 2. August 1914 wurde ich zum Kriegsdienst eingezogen. Wie es mir an der Front im Westen ergeht, schreibe ich meiner Frau Ida regelmäßig in meinen Briefen. Wir wohnen in Halver in Westfalen. Hier beginnen meine Feldpostbriefe und hier ist mein Lebenslauf.

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