Post von Georg

Es kommt vor, daß ein Brief länger läuft als der andere

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Gefr. Schmiele
Flieg. Abt. 65
15 Res. Armeekorps
30 Res. Division im Westen

Feldpost

An
Frau Georg Schmiele
in Halver i/Westfalen
Kreis Altena

[Ohne Ortsangabe] geschr. den 25.7.15
VIII.

M. l. Ida!

Ich erhielt gestern deinen Brief 7. Ich denke daß es dir doch kein Ernst ist was du da zuerst geschrieben hast. Ich bin ganz erstaunt gewesen. ich habe doch fast alle 3 Tage geschrieben. Oder ist nichts angekomen. Ich habe seit dem 9 Juli einschließlich dieses Briefes 8 x geschrieben. Also schreibe mir doch darüber. Ich kann doch nichts dafür. Ich kann es gut verstehen; wie dir zumute ist. Mir geht es hier gerade so; oder meinst du nicht? Also schreibe mal; wenn du diesen Brief erhältst ob du alles von 1-8 erhalten hast. Es kommt ja vor daß ein Brief länger läuft als der andere; bei den jetzigen Verhältnissen ist das nicht anders.

L. Ida Es freut mich daß es dir noch gut geht. Hoffentlich geht es auch weiter so. Ich würde gern bei dir sein aber es geht nicht. Du schreibst mir dann eine Depesche wie es ist. Mir geht es ja ganz leidlich. Man muß zufrieden sein. Von Velbert habe ich ein Paket bekommen. Tante war wohl gerade da. Es ist aber schon lange wieder alle. Von deinem großen Pakete ist bis jetzt noch nichts da. Es soll mich mal wundern wo das bleibt.

Hoffentlich ist der Krieg bald zu Ende, man meint immer es müßte mal ein Ende nehmen. Aber bis jetzt ist noch nichts davon zu sehen. Nun liebe Ida will ich für diesmal schließen. wir müssen antreten und da will ich den Brief noch mitnehmen. Grüße Onkel und Tante recht herzl. von mir. sowie Herrn Köster nebst Frau und alle Bekannte. Nächstens schreibe ich dir mehr. Nun sei herzlich gegrüßt und geküßt von Deinem Georg.

Danke dir auch noch für daß kleine Gedicht aus der Zeitung

Gott befohlen

Schreib bald wieder

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100 Jahre danach

Die Feldpostbriefe von Georg Schmiele erscheinen hier jeweils auf den Tag 100 Jahre, nachdem der gebürtige Berliner sie geschrieben hat. Was hat er im Ersten Weltkrieg erlebt und wie hat er den Krieg wahrgenommen? Veröffentlicht werden die Briefe von seinem Urenkel Carsten Fischer und Familienangehörigen.

Zur Person

Georg Schmiele

Ich bin Georg Schmiele, geboren 1888 in Berlin. Am 2. August 1914 wurde ich zum Kriegsdienst eingezogen. Wie es mir an der Front im Westen ergeht, schreibe ich meiner Frau Ida regelmäßig in meinen Briefen. Wir wohnen in Halver in Westfalen. Hier beginnen meine Feldpostbriefe und hier ist mein Lebenslauf.

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