Post von Ida

Der kleine Flieger ist manchmal so unruhig

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Ida Schmiele

an

Georg Schmiele

[Kuvert mit Adressangaben fehlt]

 

Matthäi 5 v 16 Also laßet euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure guten Werke sehen, und unseren Vater im Himmel preisen.

14.
Halver i. Westf., den 1 August 1915

Mein lieber Georg!

heute ist ein besonders wichtiger Tag, wenn wir da auf die Vergangenheit zurückblicken, dann werden wir an vieles erinnert. Es ist ja vieles was wir nicht verstehen können warum man dies und jenes hat erleben müßen. Aber wir wollen doch nicht weiter darüber grübeln sondern es aus Gottes Hand annehmen. Es wird uns doch einst mal alle offenbar werden. Aber der Schwarze ist so beschäftigt das er es machnmal fertig bringt, einen ganz verzagt zu machen, besonders jetzt grade.

Wenn ich des Nachts wach da liege, dann überkommt mich manchmal eine furchtbare Angst du weißt es ja wie es mir sonst immer war, wenn man nicht schlafen und nicht liegen kann und man kann dann zu niemanden mal ein Wort sagen. Aber im großen und ganzen geht es ja besser mit dem Schlafen wie früher in der letzten Zeit. Der Herr hat bis hierher so gnädiglich geholfen er wird es auch weiter tun.

Wenn du diesen Brief erhältst habe ich es vielleicht schon überstanden. Der kleine Flieger ist manchmal so unruhig; das es mich von einer Seite auf die andere wirft. Grade so wie du es machst, so zapplig. Was ich dir in nächster Zeit alles darüber berichten kann, soll mich mal wundern. Wär es blos erst mal da.

Gestern war Fritz Schreiber mit seiner Frau hier, am 15ten muß er wieder an der Front sein. Seine Nerven sind auch ganz runter, er erzählt aber sehr wenig man wird nicht viel von ihm gewahr.

Karl Schröder schreibt aber jetzt auch wieder etwas besser. Wilh. Scharwächter muß furchtbar dran die werden hinter der Front noch weiter ausgebildet. Willy Eicker ist auch am 28ten ausgerückt. Frau Eicker ist gar nicht zu trösten die hat 25 M verspielt. Die armen Menschen wissen gar nicht wohin sie sollen mit ihrem Kummer. Fritz Eicker selber war gestern auch voll bis an die Kehle. Hoffentlich kommen sie dadurch auf den rechten Weg. Wenn man ihnen jetzt etwas sagt, dann hören sie es ganz gern. Jedesmal wenn der Briefbote etwas bringt, dann kommt Frau Eicker und zeigt es uns.

Albert Vollmer ist immer noch im Feldlazarett. ich habe ihm dieser Tage auch mal eine Karte geschrieben, habe ihm auch deine Adr. geschr.

vorsetzung) Jetzt habe ich mal [einige???] Std. verschieben müssen. Etwas nach 5 Uhr kam Lydia Turk mit ihren Puten dann kam Hanna, Karl und Lenchen und Linn Halverscheid auch noch. (Linn Halverscheid [gemeinst ist Adeline Halverscheid] hatte dir zwei Karten geschr. und sind beide wieder zurück gekommen. wie das wohl ist?) Als diese wieder weg waren kam Konrad Dickhaut und Karl Halverscheid und Johanna. Die waren dann zum Essen hier. Es ist nämlich Kriegsfeier heute Abend im Verein weil es heute 1 Jahr wird.

Nun muß ich dich doch mal fragen was sucht ihr denn eigentlich? Wenn ich die Karte besehe das sieht aus als hättet ihr wer weiß was verloren und was hast du dann für einen Anzug an ist das blau Leinen? Oder was ist das? Auf jeder Karte wo du drauf bist siehst du furchtbar schlecht aus, es müßte das daher kommen weil die Photographien so klein sind. Der kleine Hund daneben sieht aus als müßte er euch zusammen halten wie eine Herde Schafe. Bist du denn nur noch am ausbilden oder arbeitest du wieder an den Flugzeugen.

Lydia Turk sagte eben Otto u. Willy Heller wären jetzt wieder zusammen. Die sind nähmlich wieder an eine andere Stelle gekommen. Otto Turk seine Adr. ist Landwehr Inf. Reg 116. 10 Comp. 3 Battl. 121 Division im Westen so soll dann auch noch Willy Heller seine sein. Alma hat Otto auch eine Depesche geschickt ging aber nur bis zum Generalkomando und von da aus den [weiter wie wenn es das nun mal genau wird weiß man nicht.] Wir wollen dir auch mal eine schicken und dann auch noch einen Brf. hinterher als Einschreibebrief. Paul Turk ist noch in einer Fabrick von Zeit zu Zeit werden sie wohl tüchtig beschossen. Seine Adr. ist Amirungssoldat Paul Turk Amirungs Battl. 1/116. 3. Comp. 18 Armeekor 6 Zug 21 Division 2 Armee im Westen. Jetzt könnt ihr Euch ja auch mal ein Lebenszeichen geben.

Nun lieber Schatz muß ich mal schließen für heute. Wenn ich morgen oder übermorgen wieder was weiß schreibe ich mal wieder. Schreib bald mal wieder! Dem lieben Gott befohlen! Grüßt und küßt Dich herzl. D. Ida

Herzl. Gruß von Onk u. Tante u. Hermann Köster. Der hat Dir am Freitag wieder ein Paket geschickt, er wartet auf einen Brief von Dir.

Dieser Brief von Ida Schmiele ist auf Briefpapier der Firma Alberts – Fabrikation von Klein-Eisenwaren – geschrieben und enthält folgenden Briefkopf: Wilhelm Alberts, Halver i. Westf., Fabrikation von Klein-Eisenwaren, Gestanzte Massenartikel, aller Art, Telephon Amt Halver, No 144.
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100 Jahre danach

Die Feldpostbriefe von Georg Schmiele erscheinen hier jeweils auf den Tag 100 Jahre, nachdem der gebürtige Berliner sie geschrieben hat. Was hat er im Ersten Weltkrieg erlebt und wie hat er den Krieg wahrgenommen? Veröffentlicht werden die Briefe von seinem Urenkel Carsten Fischer und Familienangehörigen.

Zur Person

Georg Schmiele

Ich bin Georg Schmiele, geboren 1888 in Berlin. Am 2. August 1914 wurde ich zum Kriegsdienst eingezogen. Wie es mir an der Front im Westen ergeht, schreibe ich meiner Frau Ida regelmäßig in meinen Briefen. Wir wohnen in Halver in Westfalen. Hier beginnen meine Feldpostbriefe und hier ist mein Lebenslauf.

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