Post von Georg

Am Sonnabend habe ich eine Probefahrt im Auto mitgemacht

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Abs. Untffz. Schmiele
Flieger Abt. 65
15 Res. Korps im Westen

Feldpost

Frau G. Schmiele
in Halver i/Westfalen
Kreis Altena

[ohne Ortsangabe, vermutlich Schlettstadt] den 30.10.15
No 8

M. l. Ida!

Ich habe Deinen Brief No 12 erhalten. Ich habe mich sehr gefreut, daß Du es bis auf 4 Seiten gebracht hast. Das ist immer meine größte Freude; wenn ich was von meinen Lieben bekomme; Es ist nun schon wieder 4 Wochen rum, seitdem ich dort war. Die Zeit vergeht furchtbar schnell, in 8 Wochen ist Weihnachten. Wie wird es dann wohl sein. Noch ist keine Aussicht auf Frieden. menschlich gesprochen. Aber wir wissen ja nichts. Bei Gott steht die Entscheidung. Es will einem manchmal schwer werden, wenn man an die vergangene Zeit denkt. Aber wir müssen aushalten. Einmal muß es ja Frieden werden. Es ist nur traurig daß es noch Leute gibt; die in dieser Zeit; noch andere ausbeuten, wie die Lebensmittelwucherer und Genossen; die sind ebenso schlimme als ein Vaterlandsverräter; weil sie den Leuten die nötige Nahrung entziehen. oder so verteuern daß keiner was kaufen kann. Fett und Butter ist hier überhaupt nicht zu bekommen. Wenn ihr was schickt, dann aber nur Butter; anderes will ich vorläufig nicht haben. Du willst ja auch kein Geld haben. Dann muß ich eben sehen; daß es so alle wird. An meinem Schinken wird der […] immer größer, ich will ihn Dir später schicken, damit Du wieder Fleisch dranmachen kannst. Augenblicklich leben wir ganz häuslich; fast jeden Abend Bratkartoffeln giebts bei uns. auf dem Ofen gebraten. Es geht ganz gut. bloß etwas umständlich. Aber besser wie garnichts. Mäuse giebts hier ja genug; soweit sind wir aber noch nicht. das Mittagessen ist sehr gut. Ich glaube nicht das manche Familie soviel hat. Du siehst daß wir uns hier nicht beklagen können. Sogar eine neue Winterausrüstung haben wir bekommen. Hemden Unterhosen, Strümpfe, Leibbinde, Kopfschützer, Pulswärmer Handschuh und son Zeug. Jetzt kann es kalt werden. Würde mich aber lieber an Dir wärmen; oder soll ich wieder die eiserne Bettstelle nehmen? wenn ich jetzt wieder käme? Nun liebe Ida muß ich schließen. Ich freue mich daß es unserem kleinen Liebling gut geht. Wenn ich jetzt mal wieder komme, wird sie wohl bedeutend weiter sein. Gott gebe daß der Tag nicht mehr fern ist. Am Sonnabend habe ich eine Probefahrt im Auto mitgemacht nach Markirch, es war sehr schön durch die Vogesen zu fahren. Was macht eigentlich Heinrich Scharwächter von Brenscheid wo ist der denn? und Otto Turk? Die schreiben überhaupt nicht. Wenn ich jetzt mal mehr Zeit habe, will ich Auguste mal schreiben. Nun lieber Schatz leb wohl. Gott befohlen. Grüße Onkel und Tante sowie unseren kleinen Hampelmann.
Viele herzliche Grüße und Küße
D. Georg

2 Karten

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100 Jahre danach

Die Feldpostbriefe von Georg Schmiele erscheinen hier jeweils auf den Tag 100 Jahre, nachdem der gebürtige Berliner sie geschrieben hat. Was hat er im Ersten Weltkrieg erlebt und wie hat er den Krieg wahrgenommen? Veröffentlicht werden die Briefe von seinem Urenkel Carsten Fischer und Familienangehörigen.

Zur Person

Georg Schmiele

Ich bin Georg Schmiele, geboren 1888 in Berlin. Am 2. August 1914 wurde ich zum Kriegsdienst eingezogen. Wie es mir an der Front im Westen ergeht, schreibe ich meiner Frau Ida regelmäßig in meinen Briefen. Wir wohnen in Halver in Westfalen. Hier beginnen meine Feldpostbriefe und hier ist mein Lebenslauf.

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