Post von Georg

Wir marschieren jetzt in Feindesland ein

0 Kommentare 20. August 1914

Useldange, 20. Aug. 1914

M. L. Ida!
Will Dir eben noch einige Zeilen schreiben, ehe wir hier abrücken. Von unserer Korporalschaft kommt jemand ins Lazarett nach Tier [Trier?] und der soll mir den Brief mitnehmen. Meine l. Ida wir marschieren heute ins Feindesland ein, jedenfalls nach Belgien. Wo jene Bestien von Menschen wohnen. Nun wir werden ihnen schon helfen. Wir haben Befehl jeden Zivilisten der Waffen bei sich trägt oder sich in irgendeiner Weise verdächtig macht, oder auf frischer Tat ertappt wird, sofort niederzuschießen. Es sind wirklich Sachen passiert, daß man nicht meinen sollte, daß es Menschen sind. Die Franzosen machen es so, daß wenn unsere Leute über sie hinweg gestürmt sind, sie sich tot stellen, und dann von hinten schießen, deswegen müssen wir jeden der am Boden liegt, erst mal untersuchen, das heißt ein paar Kolbenschläge oder mit dem Bajonett. Es ist wirklich traurig aber unsere eigene Sicherheit erfordert das. Bei den Deutschen ist sowas unmöglich. Nun meine l. Ida will ich hiermit schließen. Einliegend schicke ich Dir den Unterstützungsschein. Da gehst Du mit nach dem Amte kannst ja mal sehen was sie da sagen. Laß Dich aber nicht abweisen, wenn sie fragen. Du sollst nach Onkel gehen. Der hat doch selbst nichts. Nun mein lieber Schatz sollte ich Dir diese Woche nicht mehr schreiben können, so wünsche ich Dir Gottes reichsten Segen zu Deinem Geburtstage. Es ist das 2 te [4te?] Mal daß ich jetzt nicht bei Dir bin. Wir haben in den jetzigen Tagen schöne Anstrengungen gehabt, aber wir haben noch immer den Kopf oben. Für Geld ist überhaupt nichts zu bekommen. Man muß eben sehen wie man durchkommt. Die Verpflegung ist gut. Jede Kompagnie hat ihre eigene Küche, die immer mitfährt. Anbei ich schicke ich Dir Luxemburger und belgisches Geld zum Andenken. Wenn Gott will daß ich wiederkehre bringe ich Dir noch mehr mit. Nun Liebchen lebe wohl dem Herrn befohlen. Grüße Onkel und Tante recht herzlich von mir. Sowie alle Bekannten und besonders unsere kleine Martha. Ich möchte sie gerne mal jetzt sehen.
Nun leb wohl, mein Schatz.
Viele Grüße und Küße
Dein Georg
lebt alle wohl

Quelle:Nachlass Schmiele, Feldpostbrief vom 20.8.1914

FacebookTwitterGoogle+

Teile dich mit

Hinterlasse einen Kommentar

100 Jahre danach

Die Feldpostbriefe von Georg Schmiele erscheinen hier jeweils auf den Tag 100 Jahre, nachdem der gebürtige Berliner sie geschrieben hat. Was hat er im Ersten Weltkrieg erlebt und wie hat er den Krieg wahrgenommen? Veröffentlicht werden die Briefe von seinem Urenkel Carsten Fischer und Familienangehörigen.

Zur Person

Georg Schmiele

Ich bin Georg Schmiele, geboren 1888 in Berlin. Am 2. August 1914 wurde ich zum Kriegsdienst eingezogen. Wie es mir an der Front im Westen ergeht, schreibe ich meiner Frau Ida regelmäßig in meinen Briefen. Wir wohnen in Halver in Westfalen. Hier beginnen meine Feldpostbriefe und hier ist mein Lebenslauf.

Tweets

© 2024 Weltkriegsblog.de. Powered by WordPress.

Daily Edition Theme von WooThemes - Premium WordPress Themes