Post von Georg

Man muss sich nach der Decke strecken

0 Kommentare 22. März 1916

Abs.
Untffz. Schmiele
Flieger-Abt. 65
15 Res.Korps im Westen

An Frau G. Schmiele
In Halver i/Westfalen
Kreis Altena

Flughafen, d. 22. März 1916

M. l. Ida!
Habe gestern deinen Brief 10 erhalten. Es tut mir auch sehr leid, daß Lydia Sch. so jung sterben mußte. Wir haben doch manche schöne Stunden zusammen gehabt. Aber für sie ist es besser und sie ist gut aufgehoben. So geht einer nach dem anderen von den Jugendbekannten ab. Mir geht es noch gut. Ich freue mich; daß es Euch auch noch gut geht. Besonders Elisabeth. Es wird wohl nicht so schlimm sein mit dem Öhrchen. Aber man hat immer gleich Sorgen. Du wirst jedenfalls wieder in großer Angst geschwebt haben. Ich würde jetzt gerne mal kommen; aber jetzt geht es nicht. Vielleicht nächsten Monat. Urlaub giebt es nur in dringenden Fällen. Gestern habe ich den Brief aus Brumby beantwortet. Die werden schön gekuckt haben. Ich will Dir denselben hier mal mitteilen.

Aus Brumby kommen Georg Schmieles Verwandte mütterlichererseits.

Lieber Georg!
Ich muß Dir auch mal einen Brief schreiben. Wie geht es Dir denn immer noch, hoffentlich doch wohl noch gut. Bei uns geht es Gott sei dank noch gut. Vergangene Woche war Frau Böhme aus Elberfeld bei uns, da haben wir uns recht gefreut. Weiter teile ich Dir mit, daß wir am 18. April an Euch das Erbteil zu zahlen haben. Da Du nun im Felde bist und zum Termin nicht erscheinen kannst, so denke ich, ich will Dein Erbteil bis nach dem Kriege dran stehen lassen am Grundstück und es Dir weiter verzinsen, bis Du mal zu uns kommen kannst. Deine Zinsen von diesem Jahr bis zum 18. April werde ich deine liebe Frau übersenden, und ich will Dir weiter mitteilen, daß jetzt sehr schwer Kapital zu kriegen ist. Erst sollte ich es von Herrn Kahse haben, aber ich soll ihm eine Stube geben, für seine Pollackenmädchen. Nein daß ist zuviel verlangt, daß kann ich mit meinem Haus nicht machen, da habe ich schon zuviel angewandt. Nun habe ich sein Geld abgelehnt und habe mir nun von Frau Kilian was geborgt. Bekomme aber nur 5000 Mark und 6000 Mark muß ich Euch auszahlen. Das sechste kann ich erst zum Oktober bringen. Also lieber Georg, ich bitte Dir drumm, Dir doch noch bis Oktober gedulden zu wollen, da ich es Dir aber so gut verzinse , wie jeder andere. Bitte um baldige Antwort. Mit herzl. Gruß Dein Karl Overbeck u. Frau.

M. l. Ida.

Hier kannst Du mal sehen, wie schlau er das anfängt. Ich kann dann später sehen, wie ich das Geld bekomme. Ich habe ihm aber richtig bescheid geschrieben; und habe in mal gefragt warum er gerade mich darum angeht. Und nicht die anderen. Ich wäre jetzt schon bald 4 Jahre im Felde und hätte nichts verdient und die anderen wären noch alle zuhaus und bezögen Gehälter oder Pensionen. Weiter habe ich ihm geschrieben er sollte ruhig das Geld von Herrn Kahse annehmen; man müße sich eben nach der Decke strecken; daß müßten wir auch. Dann habe ich ihm einfach seine Bitte glatt abgeschlagen. Es soll mich mal wundern, wie er es aufnimmt. Nun liebe Ida muß ich für heute schließen, nächstes mehr. Grüße Onkel u. Tante recht herzl. von mir. Nun Gott befohlen

Viele herzl. Grüße und Küße
an Dich und Elisabethchen
Euer Vater

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100 Jahre danach

Die Feldpostbriefe von Georg Schmiele erscheinen hier jeweils auf den Tag 100 Jahre, nachdem der gebürtige Berliner sie geschrieben hat. Was hat er im Ersten Weltkrieg erlebt und wie hat er den Krieg wahrgenommen? Veröffentlicht werden die Briefe von seinem Urenkel Carsten Fischer und Familienangehörigen.

Zur Person

Georg Schmiele

Ich bin Georg Schmiele, geboren 1888 in Berlin. Am 2. August 1914 wurde ich zum Kriegsdienst eingezogen. Wie es mir an der Front im Westen ergeht, schreibe ich meiner Frau Ida regelmäßig in meinen Briefen. Wir wohnen in Halver in Westfalen. Hier beginnen meine Feldpostbriefe und hier ist mein Lebenslauf.

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