Post von Georg

Wenn man hier in den Nächten ruht, merkt man gar nichts vom Kriege

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Feldpostbrief
An
Frau Georg Schmiele
in Halver i/Westfalen
Kreis Altena

[Absendername des aufgerissenem Kuverts unkenntlich]
Ers. Flieger-Abteilung 2 3/ […]
in Darmstadt
Tr.Üb.Platz

Mainz, den 17. Januar 1915

Meine liebe Ida!

Deine Karten habe ich erhalten und freue mich daß es Euch wieder besser geht. Ich merke du weißt schon wirst wieder ungeduldig wegen meines Schreibens. Ich hab doch schon wieder dreimal geschrieben. Du kommst am besten hier hin und wirst mein Schreiber. Nun aber lieber Schatz will ich dir aber heute noch mal selbst schreiben. Karl Riedel ist auch hier gelandet. Ich bin am Mittwoch Abend gleich bei ihm gewesen. Ich wollte dann noch am Donnerstag zu ihm, aber ich konnte nicht, weil wir gegen Typhus geimpft wurden; das 2te mal, daß war mir nicht ganz gut bekommen. Es geht aber jetzt wieder gut. Hier ist immer noch der alte Betrieb. Ich bin noch in der Wertestelle [Wartestelle?]. Augenblicklich ist es schlechtes Wetter, und es wird wenig geflogen. Hoffentlich wird es bald besser. Es wird so langsam Frühling. Gott gebe, daß er uns den Frieden bringt. Diese Woche habe ich auch ein Paket von Elberfeld bekommen. Es war eine ganz schöne Liebesgabe. Jetzt sieht meine Spindordnung wieder gesund aus. Am Sonntag morgen bin ich nach Wiesbaden gefahren nach Otto Turk. Willi Heller war nicht da. Er war nach seinem alten Quartiermeister in Oberingelheim. Er wollte uns aber um 4 Uhr in Mainz im Soldatenheim treffen. (Hier schreibe ich auch diesen Brief.) Otto sagte mir sie würden diese Woche ausrücken. Als ich bei Otto war erhielt er gerade eine Karte, daß Adolf Turk auch verwundet wäre. Ich glaube wohl ziemlich schwer. Es geht einer dem anderen nach. Es tut mir leid für Emma. Gebe der Herr, daß er durch kommt, wenn er dann wieder gesund ist wird der Krieg wohl zuende sein. Wenn man hier in den Nächten ruht, merkt man gar nichts vom Kriege. Es ist immer noch derselbe […] wie früher. Nun l. Ida will ich mal hiermit schließen. Wie geht es dir denn noch, hast du schon den Karnarienvogel geholt? Ich dachte eben dran, weil ich gerade hier einen singen hörte. Hole ihn aber nicht früher; bis du dich gut fühlst. Wenn ich jetzt, wenn Gott will, noch mal in Urlaub kommen sollte? So wird’s dir noch besser gehen wie daß letzte Mal. Aber vorläufig ist noch kein Gedanke an Urlaub. Ich will mal warten bis Mitte Februar, wenn ich dann noch hier sein sollte, dann kann Onkel ja mal ein Gesuch einreichen. Ich schreibe aber noch darüber. Hier von den Fliegern sind schon wieder eine Masse ins [Feld?] gekommen. Ernst Klaar wird in nächster Zeit auch wohl ausrücken. Sie sind schon eingekleidet. So geht’s immer weiter, aber einmal geht es doch zu Ende. Daß soll mir eine Freude geben.

Mein lieber Schatz wie geht es jetzt in der Fabrik. Hat Onkel wieder einen neuen. Es ist doch gerade zur unrechten Zeit gekommen, daß Karl Riedel fort mußte. Er weiß aber schon, daß er wieder einen neuen bekommt. Er muß die Zeit jetzt ausnutzen. Wenn du noch nach Meinerzhagen gehst kannst du mir sie alle herzlich grüßen. Wie ist es denn mit Lengelscheid? Nun muß ich schließen jetzt wirst du wohl für 4 Wochen genug haben. Grüße Onkel und Tante recht herzlich von mir.

Mit herzl. Grüßen und Küßen

verbleibe ich Dein

Georg

Sollst auch grüßen von Otto Turk.

Dem Herrn befohlen

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100 Jahre danach

Die Feldpostbriefe von Georg Schmiele erscheinen hier jeweils auf den Tag 100 Jahre, nachdem der gebürtige Berliner sie geschrieben hat. Was hat er im Ersten Weltkrieg erlebt und wie hat er den Krieg wahrgenommen? Veröffentlicht werden die Briefe von seinem Urenkel Carsten Fischer und Familienangehörigen.

Zur Person

Georg Schmiele

Ich bin Georg Schmiele, geboren 1888 in Berlin. Am 2. August 1914 wurde ich zum Kriegsdienst eingezogen. Wie es mir an der Front im Westen ergeht, schreibe ich meiner Frau Ida regelmäßig in meinen Briefen. Wir wohnen in Halver in Westfalen. Hier beginnen meine Feldpostbriefe und hier ist mein Lebenslauf.

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