Post von Georg

Den ganzen Tag auf dem Flugplatz

0 Kommentare 10. August 1915

Gefr. Schmiele
15 Reserve-Armeekorps 30 Res Division
Flieger-Abteilung 65 im Westen

An
Frau G. Schmiele
Halver i/Westfalen
Kreis Altena

geschr. d. 10.8.15
Brief XIII mit Bild

M. l. Ida!

Endlich komme ich dazu, Dir mal wieder einen Brief zu schreiben. Du mußt Dich mal einige Tage gedulden, ich habe augenblicklich wenig Zeit. Ich habe deine Briefe u. Karten bis 17 erhalten.

Von Wirts und Kösters habe ich auch ein Paket erhalten und auch vom Jungfrauenverein. Du siehst also ich habe keine Not gelitten. Es war alles noch gut erhalten. und ich habe es mir gut schmecken lassen; aber leider ist auch hierbei alles vergänglich und mann sieht mit sehnsuchtsvoller Miene in die leeren Schachteln, die ich Dir bei Gelegenheit zurückschicke.

Ich will Dir auch mal jetzt schreiben was ich mache und treibe. Augenblicklich habe ich eine Flugzeugkorporalschaft und was damit alles zusammenhängt das kann ich Dir jetzt nicht schreiben. Vor allen Dingen wirst Du wohl wissen wollen; wie es mir persönlich geht. Wir liegen im Quartier und ich habe das Glück im Bett zu liegen. Essen bekommen wir aus der Feldküche; die wir selbst haben. Sonst sind wir den ganzen Tag auf dem Flugplatz.

Meine Wäsche wasche ich mir selbst, wenn sie auch nicht so schön wird, als wenn Du sie wäschst. Wenn mir was fehlt dann werde ich mir schon melden. vorläufig bin ich noch mit allem versehen. Du siehst also es geht mir ganz gut. Besser kann ich es in Kriegen nicht verlangen, wenn auch noch manches zu wünschen übrig bleibt.

Wir wünschen ja so manches und es kommt doch anders als man denkt. Es ist mir auch manchmal herzlich leid; und ich kann mir den Augenblick vorstellen wenn es mal heißen wird Friede. Gott gebe daß er bald kommt.

In Rußland drängt es zur Entscheidung.

In Rußland drängt es zur Entscheidung. und dann wird wohl Frankreich dran kommen, aber es wird wohl noch manchen Tropfen Blut kosten. Aber endlich muß es doch kommen.

Von Halver sind wohl auch wieder viele fort. Was ich von Wilh. Degenhardt halte weißt du ja. und Wilhelm Scharwächter seine Art ist nicht die meine. Das weißt du ja auch. aber Du kannst sie mir trotzdem grüßen. Auch meinen besonderen Gruß an Alma Turk und meine besten Wünsche.

Grüße auch besonders in Mesenhohl, da muß ich auch mal hinschreiben überhaupt kann ich nicht soviel woanders hinschreiben; sonst kommst du zu kurz, und daß willst Du doch nicht.

Überhaupt hast Du mir schon die ganze Woche schön angeführt. Ich bin gespannt wie ein Regenschirm. Du wirst noch sehen daß ich recht habe. Ich kann besser rechnen wie Du. Mein lieber Schatz ich wünsche ja auch daß Du es bald überstanden hast. und ich fühle mit Dir.

Der kleine Junge oder Mädchen geht vor

Vielleicht ist es schon soweit; wenn Du diesen Briefst bekommst, es würde mich sehr freuen. Mit dem Kommen soll es wohl nichts geben. Ich bin aber immer bei Dir in Gedanken. Schreibe mir aber immer wie es geht und was los ist. Bis jetzt hast Du ja einigermaßen geschrieben; es könnte aber besser sein. Du darfst Dich natürlich nicht mit mir vergelichen. wenn ich wenig schreibe dann denk immer es wär soviel herzlicher. Onkel u Tante müssen mal vorläufig verzichten. Der kleine Junge oder Mädchen geht vor.

Nun liebe Ida muß ich schließen. Ich habe ziemlich schlecht geschrieben weil die Beleuchtung bei uns nur eine Kerze ist, die wir abwechselnd kaufen. Nun wollt ich Dir noch schreiben daß ich Dir immer verschiedene Bilder schicke. Bewahre dieselben gut und schreib immer, ob Du dieselben bekommen hast der Nummer nach.

Nun will ich schließen Grüße alle von mir. besonders Onkel u Tante

Viele herzl. Grüße und Küße

Dein Georg

Quelle: Nachlass Schmiele, Feldpost vom 10.8.1915

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100 Jahre danach

Die Feldpostbriefe von Georg Schmiele erscheinen hier jeweils auf den Tag 100 Jahre, nachdem der gebürtige Berliner sie geschrieben hat. Was hat er im Ersten Weltkrieg erlebt und wie hat er den Krieg wahrgenommen? Veröffentlicht werden die Briefe von seinem Urenkel Carsten Fischer und Familienangehörigen.

Zur Person

Georg Schmiele

Ich bin Georg Schmiele, geboren 1888 in Berlin. Am 2. August 1914 wurde ich zum Kriegsdienst eingezogen. Wie es mir an der Front im Westen ergeht, schreibe ich meiner Frau Ida regelmäßig in meinen Briefen. Wir wohnen in Halver in Westfalen. Hier beginnen meine Feldpostbriefe und hier ist mein Lebenslauf.

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